Mittwoch, 02. Dezember 2009

Tim Severin: Odinn's Child (Viking, #01)



Exzellenter Blick in verschiedene Kulturen zur ersten Jahrtausendwende

Thorgils, der Icherzähler der Geschichte, kommt als Kind eines Grönländers und einer Irin zur Welt. Von seinem Vater erbt er den Drang immer neue Plätze zu entdecken von seiner Mutter die Fähigkeiten eines Sehers. Im ersten Band der Trilogie erzählt er die Geschichte seiner Jugend und seiner vielfältigen Ausbildung (nordisch, christlich und keltisch).

Wenngleich der Rückentext des Buches lautstark verkündet ""Viking - Odinn's Child" gives historical novel writing a new dimension." so erinnert das Buch doch an die Mittelaltererzählungen von Bernard Cornwell (Artus, Agincourt, Alfred, etc.). Dies ist ausschließlich als Kompliment gemeint und darf keinesfalls als Plagiatsvorwurf verstanden werden. Es ist eben ein ähnlicher Erzählstil in einer ähnlichen Umgebung.

Die vielen Personen sind größtenteils liebevoll gezeichnet, die Persönlichkeits-Entwicklung die Thorgils durchmacht ist angesichts der Umstände glaubhaft und gut dargestellt. Ähnlich wie Cornwell bleibt auch Severin nie an der Oberfläche und versucht immer mehrere Seiten zu beleuchten. Legt Cornwell viel Wert auf Schlachtszenen, so finden sich diese hier deutlich weniger drastisch beschrieben - was aber nicht heißen soll, dass Severin hier die Augen vor den Grauen abwenden würde.

Wo Licht ist ist auch Schatten. Auf den ersten hundert Seiten fürchtete ich eine Fehlentscheidung getroffen zu haben, das Buch wollte einfach nicht in Gang kommen. Vor allem die ersten Seiten waren ein bisschen mühsam. Severin lässt seinen Erzähler Dinge erzählen, die als Hintergrund wichtig sein mögen, die aber nicht in die Geschichte passen wollen, sondern teilweise den Eindruck erwecken, dass Severin zeigen möchte, dass er sich mit dem Thema befasst hat. Auch danach dauert es noch eine ganze Weile, bis der Leser sich auf den Protagonisten einlassen kann und wirklich tief in die Geschichte gezogen wird.

Und dennoch halte ich das Buch für ein wirklich herausragendes Werk im Bereich der historischen Erzählungen, denn ab der zweiten Hälfte taucht man wirklich tief in die Welt des Mittelalters ein. Cornwell erspart usn üblicherweise die Details über die Jugend seiner Helden und hat damit doch nur zu einem gewissen Grade Recht, denn Severins Zugang gibt der Person noch mehr Hintergrund auf Kosten der Spannung.

Für all jene die Cornwells Romane mögen ist dies eine klare Empfehlung.

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