Montag, 1. März 2010

Aatish Taseer - Terra Islamica



Äußerst interessanter Einblick in die Islamische Welt

Aatish Taseer ist der Sohn einer indischen Journalistin und eines pakistanischen Politikers und Geschäftsmannes, der hauptsächlich in England lebt. Zerrissen zwischen den Welten macht er sich auf die Suche nach der islamischen Welt seines Vaters. Was macht den wesentlichen Unterschied zwischen seiner Lebensauffassung und derjenigen des Islam auf, dem er durch Geburt angehört.

Das Buch ist die Beschreibung der Eindrücke die
Taseer auf seiner Reise durch die islamische Welt gewinnen konnten, immer wieder aber widmet er ganze Kapitel der Erzählung seiner eigenen Biographie.

Als ich das Buch in der Hand hielt, wollte ich es schon wieder zurück in das Bücherregal stellen, ehe mich die Überlegung an meinen eigenen Vorurteilen über den Islam zu arbeiten dazu brachte es doch zu lesen. Und es war eine gute Entscheidung, wenngleich ich bald bemerkte, dass vieles gar nicht so sehr Vorurteile, sondern durchaus vernünftige kritische Beschäftigung mit dem Islam entspringt. Taseer schönt nichts, sondern beschreibt seine Erlebnisse, die auch sehr kritische Blicke erlauben. Bald wird klar, dass es kein einheitliches Bild des Islam geben kann, dass es aber dennoch gewisse Bilder gibt die wir uns vor Augen halten müssen, wenn wir über dieses Weltbild nachdenken und diskutieren.

Ich habe es keinen Moment bereut, das Buch nicht in das Regal zurückgestellt zu haben und so kann ich jedem der ein bisschen mehr über die aktuellen Verhältnisse in den islamischen Staaten erfahren will dieses Buch ans Herz legen.

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Samstag, 5. Dezember 2009

Falco - The Spirit Never Dies


Sehr durchwachsenes Album

Das neue - zumindest in Österreich - ganz groß promotete Album des Falken kann nicht halten, was es versprochen hat. Und in Wirklichkeit darf man sich darüber auch nicht wundern, denn Falco wird einen guten Grund gehabt haben die Songs nicht zu veröffentlichen. Dabei muss man aber festhalten, dass der Song "The Spirit Never Dies" wirklich gut ist.

Insgesamt befinden sich sieben bisher unveröffentlichte Lieder auf dem Album. Zusätzlich wurden die beiden Jeannys, Que Pasa Hombre, Poison (beide auf "Verdammt wir leben noch" bereits veröffentlicht) und eine zweite Version von "The Spirit Never Dies" dazugepackt, so dass man auf insgesamt zwölf Lieder kommt.

Kommen wir also zu den neuen Liedern:
  • Return to Forever: ein Skandal das überhaupt zu veröffentlichen, denn bei diesem Stück ist eindeutig warum der Falke es im Keller vergraben hat. Es macht einen unfertigen Eindruck und Falco steuert nur ein paar wenige Töne bei.
  • Nuevo Africana: Kann man sich durchaus anhören, bestimmt kein extremer Reißer aber gefällig.
  • Sweet Symphony: Geht so. Wenn man es öfters hört ist es gar nicht so schlecht.
  • Kissing in the Kremlin: Wohl ein Versuch den Kommissar nochmals auferstehen zu lassen. Sehr starke Anlehnung an den Stil Falcos auf dem Album Einzelhaft. Die Backgrounds sind ein bisschen nervig, sonst wirklich interessant.
  • Dada Love: Klassischer Falco-Rap. Wie der Titel schon sagt versucht sich Falco hier am Dadaismus. Erinnert entfernt an Kraftwerk (Tour de France, Autobahn), aber mit Falco-typischen Elementen.
  • Forever: Kann nicht überzeugen. Ein bisschen symphonische Klänge und das war es; ob Falco überhaupt einen Ton beigesteuert hat bleibt offen. Wie schon der einleitende Song nicht typisch Falco. Wäre auch besser im Keller geblieben.
  • Und natürlich The Spirit Never Dies: Bestimmt der beste der neuen Songs. Hat mir schon gefallen als er auf Ö3 das erste Mal gespielt wurde.
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Mittwoch, 2. Dezember 2009

Tim Severin: Odinn's Child (Viking, #01)



Exzellenter Blick in verschiedene Kulturen zur ersten Jahrtausendwende

Thorgils, der Icherzähler der Geschichte, kommt als Kind eines Grönländers und einer Irin zur Welt. Von seinem Vater erbt er den Drang immer neue Plätze zu entdecken von seiner Mutter die Fähigkeiten eines Sehers. Im ersten Band der Trilogie erzählt er die Geschichte seiner Jugend und seiner vielfältigen Ausbildung (nordisch, christlich und keltisch).

Wenngleich der Rückentext des Buches lautstark verkündet ""Viking - Odinn's Child" gives historical novel writing a new dimension." so erinnert das Buch doch an die Mittelaltererzählungen von Bernard Cornwell (Artus, Agincourt, Alfred, etc.). Dies ist ausschließlich als Kompliment gemeint und darf keinesfalls als Plagiatsvorwurf verstanden werden. Es ist eben ein ähnlicher Erzählstil in einer ähnlichen Umgebung.

Die vielen Personen sind größtenteils liebevoll gezeichnet, die Persönlichkeits-Entwicklung die Thorgils durchmacht ist angesichts der Umstände glaubhaft und gut dargestellt. Ähnlich wie Cornwell bleibt auch Severin nie an der Oberfläche und versucht immer mehrere Seiten zu beleuchten. Legt Cornwell viel Wert auf Schlachtszenen, so finden sich diese hier deutlich weniger drastisch beschrieben - was aber nicht heißen soll, dass Severin hier die Augen vor den Grauen abwenden würde.

Wo Licht ist ist auch Schatten. Auf den ersten hundert Seiten fürchtete ich eine Fehlentscheidung getroffen zu haben, das Buch wollte einfach nicht in Gang kommen. Vor allem die ersten Seiten waren ein bisschen mühsam. Severin lässt seinen Erzähler Dinge erzählen, die als Hintergrund wichtig sein mögen, die aber nicht in die Geschichte passen wollen, sondern teilweise den Eindruck erwecken, dass Severin zeigen möchte, dass er sich mit dem Thema befasst hat. Auch danach dauert es noch eine ganze Weile, bis der Leser sich auf den Protagonisten einlassen kann und wirklich tief in die Geschichte gezogen wird.

Und dennoch halte ich das Buch für ein wirklich herausragendes Werk im Bereich der historischen Erzählungen, denn ab der zweiten Hälfte taucht man wirklich tief in die Welt des Mittelalters ein. Cornwell erspart usn üblicherweise die Details über die Jugend seiner Helden und hat damit doch nur zu einem gewissen Grade Recht, denn Severins Zugang gibt der Person noch mehr Hintergrund auf Kosten der Spannung.

Für all jene die Cornwells Romane mögen ist dies eine klare Empfehlung.

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SPAM: 100 Kilo in einem Jahr weniger

So gesehen heute in meinem SPAM-Ordner.

Die bieten mir also an in einem Jahr um 100 kg leichter zu sein. Das klingt nach einer gefährlichen Drohung. Ich mein: Wollen mich die kremieren? Oder wie soll ich das verstehen?

Meine Interpretation. Wenn du diese Pillen kaufst, dann gibst du den Löffel innerhalb eines Jahres ab.

Und man beachte wer das Spam-Mal unterschrieben hat. Dr. June Lustig.

Montag, 16. November 2009

Bernard Cornwell: The Burning Land



Teil 5 der Saxon Stories

Mit The Burning Land legt Cornwell den lange erwarteten fünften Teil seiner Saxon Stories rund um das England Alfred des Großen und den Wikingerinvasionen vor. Dieser Teil beginnt mit einer weiteren Invasion, dieses Mal ist es Harald der Wikinger nach Wessex führt und wieder ist es der Icherzähler Uhtred der den Sachsen einen großen Sieg bringt. Aber bald darauf lässt er sich von einer Intrige Bischofs Asser hinreißen und wird gegenüber Alfred eidbrüchig. Er zieht nach Norden in Richtung seiner Heimat Bebbanburg und schließt sich den Wikingern seines Ziehbruders an.

Im Wesentlichen schließt das Buch sauber an den vorhergehenden Teil an. Kleine Änderungen findet man im Erzählstil, da Uhtred nun das eine oder andere Mal aus der ausschließlich rückblickenden Erzählung auch einen Blick darauf erlaubt, dass er im hohen Alter seine Erlebnisse aufschreibt (ähnlich dem Erzähler in den Artus-Erzählungen). Die Erzählung der Schlachtszenen ist vielleicht nicht mehr ganz so intensiv wie in einigen seiner früheren Bücher, es ist aber dennoch nichts für einen schwachen Magen. Im Mittelteil erlaubt er sich einige Seiten die in Stil und Dramatik nicht so recht in das Buch passen wollen. Dieser Teil ist wohl der insgesamt schwächste Teil der Chronik.

Insgesamt aber liegt dennoch ein lesenswertes Buch vor und ich freue mich auch bereits auf den nächsten Teil aus der Serie.




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Donnerstag, 12. November 2009

Dan Brown - Das verlorene Symbol



Pageturner mit schlechtem Schluss

Robert Langdon ist wieder im Einsatz. Dieses Mal wird er von einem Unbekannten, unter dem Vorwand für einen seiner besten Freunde einen Vortrag für dessen Freimaurerloge zu halten, nach Washington, D.C. gelockt. Schon sehr schnell wird ihm klar, dass es um etwas ganz Anderes geht - die rechte Hand seines Freundes liegt nämlich mitten im Kapitol und er soll die Pforte zu einem geheimen Portal öffnen.

Das Buch liest sich wie alle Werke Dan Browns sehr leicht und schnell. Es ist wie üblich ein wahrer Pageturner, sprachlich keine hohe Qualität und seine Figuren sind durch die Bank flach und klischeehaft. Das verzeiht man aber üblicherweise gerne, weil eben die Spannung im Vordergrund steht.

Dieses Mal aber hat er beim Schluss in meinen Augen ziemlich versagt. Das hat sich zugegeben schon früh angekündigt als er sich darauf einließ die Noetik als Wissenschaft einzuführen. Und um diese sehr eigene Wissenschaft irgendwie mit dem Stoff der Freimaurer zu verweben, lässt er sich auf Schlussfolgerungen ein, die mühsam zu erzählen sind. Aber der Schluss ist überhaupt einfach zu weit vom Spannungshöhepunkt entfernt. Es bleibt kaum mehr Spannung übrig für die letzten hundert Seiten und das in einem Buch das ausschließlich von Spannung lebt. Könnte man für die ersten 80% noch argumentieren, dass dem Thrill jede andere literarische Qualität unterzuordnen und daher die volle Bewertung angebracht sei, so wird justament diese Argumentation durch das Ende des Buches vollkommen zerstört.

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Sonntag, 1. November 2009

Windows ade

Sodale, jetzt hat die letzte Windowsmaschine dran glauben müssen. Alles auf Ubuntu umgestellt! Das Aufsetzen von Ubuntu inklusive aller Einstellungen, Verbinden mit dem Server, Mutliuserumgebung einrichten, Zusatzsoftware aussuchen, etc. dauerte gerade mal ein bisschen mehr als ein Stunde. Danach musste aber noch die Virtualbox drauf (und damit hatte ich gar keine Erfahrung) damit ich weiterhin Lightroom verwenden kann. Ging aber auch recht einfach von der Hand, die war wirklich flott eingestellt.

Aber danach ging wieder die Tortur los, denn um LR in der Box laufen lassen zu können braucht es ja eine Windows-Umgebung. Also die wieder mal Windows neu aufspielen und das dauerte dann wieder die üblichen vielen Stunden die man fürchtet wenn man einen neuen Rechner aufsetzt.

Jedenfalls ist jetzt das meiste erledigt. Muss nur noch draufkommen wie ich die Virtualbox so herrichte, dass die von mehr als einem User verwendet werden kann (nicht gleichzeitig freilich). Insgesamt bin ich auch mit der Virtualbox recht zufrieden, allerdings habe ich das Gefühl, dass die Performance nicht wirklich optimal ist, aber da muss ich sicherlich noch ein bisschen in den verschiedenen Einstellungen herum suchen und probieren um die ganze Kiste wirklich gut hinzubekommen.

Quintessenz: Sobald du Windows brauchst wird das Installieren eines Rechenrs mühsam. Keine Ahnung warum noch immer so viele Leute glauben, dass Linux ein kompliziertes System sei. Erfahrung des letzten Tages: Linux war wesentlich einfacher aufzusetzen und ist IMHO leichter zu bedienen. Umgewöhnen muss man sich, aber was soll's? Zugegeben auch kein perfektes System und ab und an schmiert schon mal was ab - aber nicht öfters als Win und dafür ist es kostenlos.

Die Einschätzung, dass Win einfacher sei, kommt wohl daher, dass die Leute glauben, weil es die Shell für die Experten gibt, sei alles kompliziert. Wahr ist aber viel mehr, dass die Shell für diejenigen die gerne im System herumgurken Vorteile bringt, aber für Otto Normalverbraucher im Normalfall kaum einmal nötig wird. Aber nett ist sie schon, erinnert mich ganz massiv an Amiga-Zeiten, wo es auch ein super gutes GUI gab, das damals Windows um Jahre voraus war, und dennoch die Shell die wirklich alle Tore ins System öffnete. Also ich kann jedenfalls nur jedem empfehlen, der jetzt überlegt wo er schnell eine Windows-7-Version für lau herbekommt, mal einen Blick ins neue Ubuntu zu werfen. Kostet nichts und kann ganz direkt von der CD gestartet werden ohne das System zu verbiegen. Und wenn's gefällt ... kaufen ... äh installieren :D

Wenn Linux wirklich noch eine Schwäche hat, dann dass es für einige Aufgaben noch keine adäquate Software gibt. Lightroom ist so ein Beispiel, aber auch Trainingssoftware - insofern bin ich ja froh, dass Garmin Connect als Trainingstagebuch im Browser läuft und unabhängig vom Betriebssystem ist, aber auch hier fehlt ein Plugin für Linux. Und so gibt es unzählige Beispiele wo noch Software fehlt. Aber andererseits, das was es gibt ist zum allergrößten Teil Open-Source und steht der Kaufsoftware kaum nach, ist teilweise sogar deutlich besser.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Jeffery Deaver - Garden of Beasts



Ein politischer Mord in Nazideutschland

Deaver setzt seinen Roman in die Zeit um die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland. Ein amerikanischer Buttonman (Auftragskiller) soll im Auftrag des US-Geheimdienstes den hochrangigen Nazi Reinhard Ernst öffentlichkeitswirksam erschießen. Dazu wird er mit dem amerikanischen Olympiateam nach Deutschland geschafft und trifft dort auf ein Problem nach dem anderen.

Der Roman ist typisch für Deaver erzählt, er springt oft zwischen den verschiedenen Protagonisten und erzählt deren Geschichte. Interessanterweise schafft er es die drei Hauptfiguren mehr oder weniger sympathisch erscheinen zu lassen. Einerseits den amerikanischen Killer, dessen persönlicher Hintergrund und der Wunsch sich mit diesem Mord ein für alle Mal eine neue gewaltfreie Existenz zu schaffen, ihn durchaus sympathisch macht. Andererseits das potentielle Opfer, der durchaus menschlich geschildert wird und der in den Wirren und Intrigen der deutschen Naziführung es auch nicht immer leicht hat - dessen Unmenschlichkeit zwar die ganze Zeit spürbar ist, aber erst sehr spät im Buch in seiner unglaublichen Grausamkeit spürbar wird. Last not least den deutschen Kriminalkommissar, der an dem Fall dran ist, ein Mensch der seinen Job ordentlich machen will, ansonsten aber nirgendwo mit dem Regime anstreifen will, der aber dennoch wo es geht geschundenen und gedemütigten Menschen zu helfen versucht und das Naziregime aus tiefster Überzeugung verachtet.

Insgesamt schafft Deaver sicherlich einen interessanten Blick auf die Menschen dieser Zeit zu zeigen und aufzuzeigen, dass längst nicht alle Menschen in einer Diktatur hinter dieser stehen müssen. Was ein bisschen unangenehm aufstößt ist die Tatsache, dass Deaver immer wieder versucht die deutsche Sprache einzubauen, dabei aber klar wird, dass er keine Ahnung davon hat. Das wird z.B. erkennbar wenn man liest, dass er jeden Deutschen permanent das Wort "Ach" in den Mund legt, andererseits, wenn er von wörtlicher Übersetzung faselt, die nicht funktioniere, und gerade dabei Beispiele nimmt, die ausnahmsweise auch "literally translated" verständlich bleiben.

Sieht man von dieser Schwäche ab, hat man es mit einem ordentlichen Thriller zu tun, der eine Zeit beleuchtet die für viele noch immer tabu ist. Anders als Vaterland von Robert Harris wird die Zeit aber wesentlich weniger trist und düster geschildert. Man merkt zwar immer und überall, dass die Menschen Angst haben und verunsichert sind und Deaver schildert dies auch sehr eindringlich und glaubwürdig, Harris' Roman ruft aber deutlich mehr Beklemmung hervor.

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Sonntag, 25. Oktober 2009

Dinosaurierausstellung - Licht und viel Schatten

Es wurde ja viel Werbung gemacht rund um die Dinosaurierausstellung in der Rinderhalle in Sankt Marx (1030 Wien). Und so haben wir uns auch hinbegeben um uns in eine andere Welt versetzen zu lassen. Was bleibt sind sehr ambivalente Eindrücke.

Zunächst zum Positiven. Die Modelle sind wirklich mit viel Liebe gemacht. Es stehen immer zwei, drei verschiedene Modelle zusammen in mit Vorhängen getrennten Abteilen. Dazu gibt es überall ein nicht unbedingt zum Lesen einladendes Schild mit der Erklärung welche Saurierarten hier ausgestellt sind. Viele der Tiere bewegen Maul, Kopf und Schwanz. Sie sind echt nett anzusehen und dabei doch so beeindruckend.

Und schon sind wir beim Negativen. Es beginnt bereits beim Eingang. Nur eine Kassa offen, vor der sich eine lange Schlange bildet. Der Preis überall mit 15 Euro affichiert beträgt plötzlich 15 Euro + 1 Euro Systemgebühr (was auch immer das sein mag). Gleich beim Eingang ein Schild mit "Fotografieren verboten" (das später wieder vom Guide zurückgenommen wird. "Da steht ein Schild, dass Fotografieren verboten ist, ja. Sie dürfen aber trotzdem fotografieren, ja.") - zugegeben das hätte man jetzt unter Positives anführen können.

Insgesamt ist die Geräuschkulisse ziemlich imposant, was vielleicht nett ist, wenn jeder Saurier in einem eigenen Raum steht, aber hier ist es so laut, dass man den Guide trotz Megaphon nur versteht, wenn man nicht mehr als zwei Meter entfernt steht. Glücklicherweise erläutert er gleich Eingangs, dass er weder Wissenschafter noch Pädagoge ist, so weiß man wenigstens, dass man sich wenn man wirklich etwas erfahren will in einem Fachbuch oder eventuell auch in der Wikipedia schlau machen sollte. Ich will gar nicht sagen, dass der Mann nicht umgänglich war und bestimmt auch bemüht, aber schlichtweg überfordert mit der Aufgabe die Menschen hier in Massen abzufertigen.

Das Personal macht insgesamt keinen sehr professionellen Eindruck. Viele sind recht barsch - unfreundlich könnte man fast sagen. Am ehesten würde ich sagen, das sind durch die Bank keine Leute die ursprünglich aus dem Kundenservice stammen, und die daher Probleme haben mit vielen Menschen unter Stress freundlich umzugehen.

Last not least finde ich es wirklich ärgerlich, dass praktisch für alles nochmals kassiert wird - habe ich schon erwähnt, dass die 16 Euro pro Person nehmen. Wenn man dann Fotos von den Kindern mit Sauriern machen will (dafür wurde eigens eine kurze Strecke mit 5 oder 6 Sauriern aufgebaut, die wirklich sehr nett ist) so muss man dafür nochmals drei Euro zahlen. Dinoreiten zwei Euro (O.K. so kommt vielleicht wirklich jeder dran, weil sonst wären immer die gleichen an dieser Station). Sticker? Zehn bekommt man geschenkt, aber nicht wie versprochen pro Karte, sondern nur pro Kind. 36 passen in das Album, die fehlenden kann man 10 Stück für 4 Euro erwerben, ohne Garantie freilich, dass man nicht lauter Doppelte hat.

Zum Abschluss gibt es noch einen Film - der heißt "Big Bang", ist in 3-D (die Brille kann man sich gegen 10 Euro Einsatz ausborgen), dauert rund 15 Minuten und hat auch ein paar Minuten über Saurier drinnen. Irgendwie nicht sehr genau auf die Ausstellung abgestimmt, eher in 10 Minuten ausgewählt. "Wos nehmma?" "Wuascht, so lang a Saurier drinn is!" O.K. vielleicht gibt es ja wirklich keine 3-D-Filme über Saurier ... waren da nicht sogar im TV welche? Na egal, jedenfalls gibt es in dem "Kino" rund 30 Sitzplätze - das reicht nie, die meisten stehen und drängen sich irgendwo an die Wände - aber zu viele können eh nicht rein, Brillen sind ja auch nur in geringer Anzahl vorhanden. Viele Leute werden daher diesen Film auslassen, und dabei nicht wirklich etwas versäumen.

Also es gibt Licht. Aber es gibt noch mehr Schatten in dieser Ausstellung. Das Preis-Leistungsverhältnis ist für meinen Geschmack nicht ausgewogen. Irgendwie konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass hier zwei unterschiedliche Gruppen verantwortlich zeichnen. Einerseits diejenigen die für die Gestaltung der Saurier und deren Anordnung verantwortlich zeichnen und andererseits eine Gruppe die für das ganze Rundherum verantwortlich ist. Erstere Gruppe hat viel Herzblut investiert, letztere versucht viel Geld mit etwas zu scheffeln in das sie nicht mehr als das unbedingt Nötige investieren wollten.

Richard hat es aber dennoch gut gefallen, Kinder haben wohl nicht diese hohen Ansprüche an Service wie wir Erwachsenen. Klar deren Servicepartner sind ja Mama und Papa und die haben ihn ja auf den Schultern getragen und für sein leibliches Wohl gesorgt. Die Idee, dass hierfür eine Menge Geld auf den Tisch zu legen war ist für Kinder auch nicht wirklich greifbar. So gesehen ist es logisch, dass er leicht zu begeistern war. Letztlich aber geht es mir auch nicht so viel anders, es war nett anzusehen, vielleicht ein bisschen teuer, aber dennoch nett anzusehen.

Ein bisschen mehr Service, ein bisschen mehr Plan wie die Informationen vermittelt werden, weniger das Gefühl vermitteln, dass es nur darum geht das Geld aus der Tasche zu ziehen und es hätte großartig sein können. Da hat man wieder mal an der falschen Stelle gespart. Man hätte wohl mehr Besucher anlocken können, hätte man noch die paar mehr Euro in die Hand genommen - dem Cash Flow hätte es sicherlich gut getan. Aber so bleibt mir jetzt auch die Familie in Erinnerung die uns beim Ein-/Ausgang entgegen kam, sich bei uns informierte und dann doch kehrt machte.

Samstag, 24. Oktober 2009

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes



Wunderbare Literatur


Zafón schlüpft - als Icherzähler - in die Rolle eines Mannes dessen Leben von einem Buch begleitet wird. Als Zehnjährigen nimmt ihn sein Vater zu einer geheimen Versammlung (genannt Friedhof der Vergessenen Bücher) mit, wo er sich für ein Buch entscheiden muss, für das er zukünftig die Alleinverantwortung übernehmen will. Aus einer schier unendlichen Auswahl entscheidet er sich für "Der Schatten des Windes" eines unbekannten spanischen Autors das in Paris verlegt wurde. Ein ganz besonderes Buch wie man im Lauf des Textes noch bemerken wird.

Das Buch ist wunderbar geschrieben, sprachlich ist es sicherlich bei den großen Romanciers anzusetzen. Eine Behauptung die natürlich nur dann Bestand hat, wenn so wie hier, der Übersetzer auch wirklich gute Arbeit geleistet hat. Zafón gelingt es in einem zunächst ereignislosen Buch Spannung aufzubauen. Vor allem aber durch sein sprachliches Können fesselt er den Leser an das Buch.Ein Buch das ich gerne bereit bin in die großen zeitgenössischen Bücher einzureihen. Das Buch zu lesen machte von der ersten bis zur letzten Seite Spaß. Vergleichbar ist es mit dem ebenfalls großartigen Buch Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier. Eine ganz klare Empfehlung dafür meinerseits.

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Siehe auch: Rezension zu Nachtzug nach Lissabon