Es wurde ja viel Werbung gemacht rund um die Dinosaurierausstellung in der Rinderhalle in Sankt Marx (1030 Wien). Und so haben wir uns auch hinbegeben um uns in eine andere Welt versetzen zu lassen. Was bleibt sind sehr ambivalente Eindrücke.
Zunächst zum Positiven. Die Modelle sind wirklich mit viel Liebe gemacht. Es stehen immer zwei, drei verschiedene Modelle zusammen in mit Vorhängen getrennten Abteilen. Dazu gibt es überall ein nicht unbedingt zum Lesen einladendes Schild mit der Erklärung welche Saurierarten hier ausgestellt sind. Viele der Tiere bewegen Maul, Kopf und Schwanz. Sie sind echt nett anzusehen und dabei doch so beeindruckend.
Und schon sind wir beim Negativen. Es beginnt bereits beim Eingang. Nur eine Kassa offen, vor der sich eine lange Schlange bildet. Der Preis überall mit 15 Euro affichiert beträgt plötzlich 15 Euro + 1 Euro Systemgebühr (was auch immer das sein mag). Gleich beim Eingang ein Schild mit "Fotografieren verboten" (das später wieder vom Guide zurückgenommen wird. "Da steht ein Schild, dass Fotografieren verboten ist, ja. Sie dürfen aber trotzdem fotografieren, ja.") - zugegeben das hätte man jetzt unter Positives anführen können.
Insgesamt ist die Geräuschkulisse ziemlich imposant, was vielleicht nett ist, wenn jeder Saurier in einem eigenen Raum steht, aber hier ist es so laut, dass man den Guide trotz Megaphon nur versteht, wenn man nicht mehr als zwei Meter entfernt steht. Glücklicherweise erläutert er gleich Eingangs, dass er weder Wissenschafter noch Pädagoge ist, so weiß man wenigstens, dass man sich wenn man wirklich etwas erfahren will in einem Fachbuch oder eventuell auch in der Wikipedia schlau machen sollte. Ich will gar nicht sagen, dass der Mann nicht umgänglich war und bestimmt auch bemüht, aber schlichtweg überfordert mit der Aufgabe die Menschen hier in Massen abzufertigen.
Das Personal macht insgesamt keinen sehr professionellen Eindruck. Viele sind recht barsch - unfreundlich könnte man fast sagen. Am ehesten würde ich sagen, das sind durch die Bank keine Leute die ursprünglich aus dem Kundenservice stammen, und die daher Probleme haben mit vielen Menschen unter Stress freundlich umzugehen.
Last not least finde ich es wirklich ärgerlich, dass praktisch für alles nochmals kassiert wird - habe ich schon erwähnt, dass die 16 Euro pro Person nehmen. Wenn man dann Fotos von den Kindern mit Sauriern machen will (dafür wurde eigens eine kurze Strecke mit 5 oder 6 Sauriern aufgebaut, die wirklich sehr nett ist) so muss man dafür nochmals drei Euro zahlen. Dinoreiten zwei Euro (O.K. so kommt vielleicht wirklich jeder dran, weil sonst wären immer die gleichen an dieser Station). Sticker? Zehn bekommt man geschenkt, aber nicht wie versprochen pro Karte, sondern nur pro Kind. 36 passen in das Album, die fehlenden kann man 10 Stück für 4 Euro erwerben, ohne Garantie freilich, dass man nicht lauter Doppelte hat.
Zum Abschluss gibt es noch einen Film - der heißt "Big Bang", ist in 3-D (die Brille kann man sich gegen 10 Euro Einsatz ausborgen), dauert rund 15 Minuten und hat auch ein paar Minuten über Saurier drinnen. Irgendwie nicht sehr genau auf die Ausstellung abgestimmt, eher in 10 Minuten ausgewählt. "Wos nehmma?" "Wuascht, so lang a Saurier drinn is!" O.K. vielleicht gibt es ja wirklich keine 3-D-Filme über Saurier ... waren da nicht sogar im TV welche? Na egal, jedenfalls gibt es in dem "Kino" rund 30 Sitzplätze - das reicht nie, die meisten stehen und drängen sich irgendwo an die Wände - aber zu viele können eh nicht rein, Brillen sind ja auch nur in geringer Anzahl vorhanden. Viele Leute werden daher diesen Film auslassen, und dabei nicht wirklich etwas versäumen.
Also es gibt Licht. Aber es gibt noch mehr Schatten in dieser Ausstellung. Das Preis-Leistungsverhältnis ist für meinen Geschmack nicht ausgewogen. Irgendwie konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass hier zwei unterschiedliche Gruppen verantwortlich zeichnen. Einerseits diejenigen die für die Gestaltung der Saurier und deren Anordnung verantwortlich zeichnen und andererseits eine Gruppe die für das ganze Rundherum verantwortlich ist. Erstere Gruppe hat viel Herzblut investiert, letztere versucht viel Geld mit etwas zu scheffeln in das sie nicht mehr als das unbedingt Nötige investieren wollten.
Richard hat es aber dennoch gut gefallen, Kinder haben wohl nicht diese hohen Ansprüche an Service wie wir Erwachsenen. Klar deren Servicepartner sind ja Mama und Papa und die haben ihn ja auf den Schultern getragen und für sein leibliches Wohl gesorgt. Die Idee, dass hierfür eine Menge Geld auf den Tisch zu legen war ist für Kinder auch nicht wirklich greifbar. So gesehen ist es logisch, dass er leicht zu begeistern war. Letztlich aber geht es mir auch nicht so viel anders, es war nett anzusehen, vielleicht ein bisschen teuer, aber dennoch nett anzusehen.
Ein bisschen mehr Service, ein bisschen mehr Plan wie die Informationen vermittelt werden, weniger das Gefühl vermitteln, dass es nur darum geht das Geld aus der Tasche zu ziehen und es hätte großartig sein können. Da hat man wieder mal an der falschen Stelle gespart. Man hätte wohl mehr Besucher anlocken können, hätte man noch die paar mehr Euro in die Hand genommen - dem Cash Flow hätte es sicherlich gut getan. Aber so bleibt mir jetzt auch die Familie in Erinnerung die uns beim Ein-/Ausgang entgegen kam, sich bei uns informierte und dann doch kehrt machte.